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Zeitgeschichte
 

Fr 15. Januar 2010, 19-22 Uhr

Das kurze Jahr der Anarchie: »Mittendrin«
Filmvorführung mit anschließender Diskussion

Mit dem Mauerfall 1989 boten sich für die Ost-Berliner plötzlich neue Freiheiten, die sie aber nicht nur in den Kaufhäusern des Westens oder fernen Urlaubszielen fanden. Der Dokumentarfilm »Mittendrin« erzählt davon, wie durch Hausbesetzungen kreative und soziale Potentiale in Berlins Mitte entfaltet wurden, wie die Besetzer/innen mit so legendär gewordenen Projekten wie dem »Tacheles« oder dem »Eimer« die herrschende Rechtsfreiheit nutzten – wohl wissend, dass dieses Jahr der Anarchie ein kurzes bleiben würde. Im Zuge der deutschen Einheit wurden die behördlichen Zuständigkeiten neu geregelt und nur wenige Häuser vor der Räumung bewahrt. Im Rückblick fragt Regisseur Marco Wilms nach den Utopien und Möglichkeiten dieser Zeit und verfolgt die Lebenswege von fünf Protagonist/innen, die seitdem sehr unterschiedliche Verläufe genommen haben.
Im Anschluss stehen Marco Wilms, zur Wendezeit selbst Hausbesetzer, und die damalige Sozialsenatorin und Bürgermeisterin Ingrid Stahmer für eine Diskussion mit dem Publikum zur Verfügung.
Leitung: Daniela Honigmann, Historikerin (M.A.)
Fr 15. Januar 2010, 19-22 Uhr, Kino Moviemento, Kottbusser Damm 22, Berlin Kreuzberg, Eintritt 5 €, Anmeldung bis 13. Januar, Veranstaltung O80

Do 21. Januar 2010, 18-21.15 Uhr

Die »Sandbüchse« des Deutschen Reiches –
Die Geschichte des (post-)kolonialen Namibia
Vortrag und Zeitzeugengespräch

Von 1884 bis 1914 trug Namibia den Namen »Deutsch-Südwestafrika« (D-SWA) und war eine Kolonie des Kaiserreichs. Nach dem Ersten Weltkrieg gelangte Südwestafrika unter die Mandatsherrschaft Südafrikas. Erst 1990 erlangte das Land seine staatliche Souveränität, womit – nach einem langen und blutigen Befreiungskampf – eine mehr als hundertjährige Fremdherrschaft zu Ende ging. Der Vortrag schildert die Entwicklung von D-SWA als eine ausgesprochene Siedlungskolonie des Deutschen Reichs, vor allem wird auch der Kolonialkrieg der Jahre 1904 bis 1908 analysiert. Weiterhin wird es einen Ausblick auf das postkoloniale Namibia geben. Dabei betrachten wir einige wichtige Politik- und Wirtschaftsfelder und diskutieren aktuelle Probleme wie z.B. die ungleiche Landverteilung – auch dies ein Erbe aus der Kolonial- und Apartheidzeit.
Referent: Dr. Joachim Zeller, Historiker, und Israel Kaunatjike, Zeitzeuge
Leitung: Joachim Wagner, Politikwissenschaftler 
Do 21. Januar 2010, 18-21.15 Uhr in Berlin-Wedding, beitragsfrei, Anmeldung bis 15. Januar, Veranstaltung O85

Fr 12. Februar 2010, 18-21.15 Uhr

Die alltägliche Gegenwart der kolonialen Vergangenheit –
Spuren der Kolonialzeit im heutigen Berlin
Multimediavortrag mit Diskussion

Berlin ist wie London und Paris eine Kolonialmetropole, die von 1884 bis 1918 die Schaltzentrale des deutschen Kolonialreiches war. Von dieser Stadt ging eine Aggression aus, die Menschen in West- und Südafrika, in Polynesien und in China ihres Landes, ihres Besitzes und allzu oft ihres Lebens beraubte. In den Kolonien erbeutete Güter, Kunstschätze und auch Menschen kamen in diese Stadt - meist aus Afrika, wo die deutschen »Besitzungen« am Größten waren. Sie kamen als Händler und  Diplomaten, aber auch als Zwangsarbeiter, »Zooattraktionen« und als »Kriegsbeute«. Die verdrängte deutsche Kolonialzeit hat Berlin mitgeprägt.
Der Multimediavortrag kombiniert die Lebenswelt des heutigen Berlin mit Spuren aus dieser kolonialen Vergangenheit, von der noch heute selbstverständlich, häufig auch unbemerkt profitiert wird. Die Referent/innen stellen auch Kontroversen um koloniale Straßennamen in Berlin dar. Die Debatte um die erste postkoloniale Straßenumbenennung weist einen Weg hin zu einer neuen Erinnerungspolitik.
Referenten: Joshua Kwesi Aikins, Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD Bund e.V.); Christian Kopp, Berlin Postkolonial e.V.
Leitung: Joachim Wagner, Politikwissenschaftler
Fr 12. Februar 2010, 18-21.15 Uhr in Berlin-Wedding, beitragsfrei, Anmeldung bis 5. Februar, Veranstaltung O86

Mo 22. Februar 2010, 18–20 Uhr

Bebel und der Orient. Festvortrag zum 170. Geburtstag von August Bebel

August Bebel gehört nach wie vor zu den großen Vordenkern der deutschen Sozialdemokratie und hat fast 100 Jahre nach seinem Tod wenig an Aktualität eingebüßt. Seinen 170. Geburtstag am 22. Februar nehmen wir zum Anlass, uns seine 1884 verfasste – und heute weitgend vergessene – Schrift »Die Mohammedanisch-arabische Kulturperiode« in Erinnerung zu rufen. In einem Festvortrag wird uns der Bebel-Kenner und Politologe Reinhard Wenzel Bebels Plädoyer für einen Dialog mit den Ländern des Orients näherbringen – einem Anliegen, dem sich auch das August Bebel Institut verpflichtet fühlt – nicht zuletzt sichtbar etwa in unserer Mitgestaltung der Städtepartnerschaft Berlin-Istanbul.
August Bebel weist in seiner Schrift darauf hin, dass nichteuropäische Kulturen in bestimmten Epochen für die Weltgeschichte wichtige und zentrale Bedeutung für die Entwicklung einer modernen Gesellschaften hatten. Damit lässt er einen anderen Zugang erkennen als Marx und Engels, die einen Eurozentrismus bis zur Slawen- und Islamfeindlichkeit pflegen.
Referent: Reinhard Wenzel, Diplompolitologe
Leitung: Ingo Siebert, Geschäftsführer des August Bebel Instituts; Daniela Honigmann, Leiterin des Projekts Linke Lebensläufe
Mo 22. Februar 2010, 18–20 Uhr in der Galerie im Kurt Schumacher Haus, Berlin Wedding, beitragsfrei, Anmeldung bis 13. Februar, Veranstaltung O83

So 25. April 2010, 11-13 Uhr

Das kurze Jahr der Anarchie: Stadtführung durch Berlin-Friedrichshain. Die Hausbesetzerszene 1989/90 in Ostberlin

Mit den sich rasant verändernden Verhältnissen im politischen und wirtschaftlichen System der DDR nach dem Mauerfall entstanden rechtsfreie Räume in der Immobilienlandschaft Ost-Berlins, die sich nicht nur erfahrene Hausbesetzer aus dem Westteil zunutze machten. 1990 waren zeitweise über 100 Häuser in der Hauptstadt des sich auflösenden Staates besetzt, die meisten in Mitte, Prenzlauer Berg und Friedrichshain. Mit der Räumung der Mainzer Straße in Friedrichshain am 14. November 1990 setzte Innensenator Pätzold den Besetzeraktivitäten ein erstes, bis heute umstrittenes Fanal.
Die Stadtführung rund um die Mainzer und die Rigaer Straße erkundet, welche Wohn- und Kulturprojekte heute noch existieren, wie sie sich in Stadtbild und Stadtentwicklung einfügen und welche alten und neuen Konflikte bestehen. Fragen nach den Auswirkungen der fortschreitenden Gentrifizierung sollen uns ebenso beschäftigen wie die nach neuen Konzepten, z.B. dem der Baugruppen.
Referentin: Daniela Honigmann, Historikerin (M.A.)
So 25. April 2010 11-13 Uhr in Berlin Friedrichshain, beitragsfrei, Anmeldung bis 16. April, Veranstaltung O82

Sa 29. Mai 2010, 10-14 Uhr

Workshop »Linke Lebensläufe«: Die Sechziger Jahre

Im zweiten Workshop im Rahmen unserer »Werkstatt Linke Lebensläufe« sollen uns die Sechziger Jahre in Berlin beschäftigen. Die gesellschaftlichen Auf- und Umbrüche durch APO und Studentenbewegung wie auch die politische Entwicklung der Sozialdemokratie nach Godesberg erarbeiten wir anhand zweier Biografien, die unterschiedlicher nicht sein können. Sowohl Klaus-Peter Schulz als auch Gunter Soukup werden als außergewöhnliche, wenngleich nicht unumstrittene Persönlichkeiten erinnert. An ihrem Beispiel wird die ideologische Spannbreite der Berliner Sozialdemokratie deutlich, die beide letztlich nicht mehr erfassen konnte. Schulz verließ die SPD, um später in die CDU einzutreten; Soukup wurde im Zuge der Vietnam-Proteste ausgeschlossen. Wir forschen nach Parallelen in ihren Lebenswegen: Was macht beide Biografien zu »Linken Lebensläufen«? Welche ihrer Motivationen und Ziele haben ihre Gültigkeit auch für heutige politisch Engagierte behalten? Wofür können beide Personen und ihr Wirken heute noch stehen?
Leitung: Ingo Siebert, Geschäftsführer des August Bebel Instituts, und Daniela Honigmann, Historikerin (M.A.)
Sa 29. Mai 2010 10-14 Uhr in Berlin Wedding, Beitrag 5 € (Förderer/-innen) bzw. 10 €, Anmeldung bis 21. Mai, Veranstaltung O88

Fr 04. Juni 2010, 17-19 Uhr

Sie lebten ihrer Zukunft ein Stück voraus: Weibliche Utopien und ihre Urheberinnen. Frauenhistorische Führung durch Berlin-Mitte

Als Vater der Utopie gilt Thomas Morus. Doch Christine de Pizan schrieb schon mehr als 100 Jahre vor ihm »Das Buch der Stadt der Frauen«. Utopien von Berlinerinnen sollen zwischen Rotem Rathaus und Rosa-Luxemburg-Platz aufgespürt werden: Welche Rechnung der Milchmädchen ging nie auf? Wovon träumte die erste preußische Königin und Berlins berühmteste Salonière? Mit welcher Bibelgeschichte begründeten freireligiöse Frauen Mitte des 19. Jahrhunderts ihr politisches Engagement und das erste deutschlandweite Frauennetz? Und was wurde aus den von Frauen entwickelten Alternativen zu Stadtplanung, Wirtschaftssystem und Kriegsführung der Männer?
Referentin: Claudia Gélieu, Frauentouren
Fr 04. Juni 2010, 17-19 Uhr, Berlin Mitte, Beitrag 5 €, Anmeldung bis 26. Mai, Veranstaltung O87

Sa 05. Juni 2010, 10-17 Uhr

GeschichteN Teilen – Ein interkultureller Zugang zur Arbeit über den Nationalsozialismus

Die Türkei im Zweiten Weltkrieg, Hilfe für Juden durch Muslime, Tunesien unter deutscher Besatzung, die Zwangssterilisation afrodeutscher Jugendlicher – all dies sind bisher wenig beachtete Themenkomplexe zur NS-Geschichte. Der von Miphgasch/Begegnung und der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz publizierte Dokumentenkoffer »GeschichteN teilen« beinhaltet insgesamt zehn Mappen mit historischen Dokumenten, Fotos und Zeitzeugenberichten zu diesen und weiteren Themen. Im Rahmen des Seminars haben die Teilnehmer/innen Gelegenheit, sich diese Materialien und so bisher kaum beachtete Zusammenhänge der NS-Geschichte zu erschließen. Darüber hinaus geben die Referent/innen (und Autor/innen der Materialsammlung) Anregungen und Hinweise für die Verwendung des Dokumentenkoffers in eigenen Projekten des interkulturellen Zugangs zur Arbeit über den Nationalsozialismus.
Referent/innen: Franziska Ehricht, Miphgasch/Begegnung e. V.; N.N., Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz
Sa 05. Juni 2010, 10-17 Uhr, Berlin-Wedding, Beitrag 10 €, Anmeldung bis 12. Mai, Veranstaltung O84

 

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