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Haymatloz – Exil in der Türkei 1933–1945
 

Do 8. Oktober bis So 15. November 2009

Ausstellung »Haymatloz – Exil in der Türkei 1933–1945«

Ein Großteil der Menschen, die Hitler-Deutschland zwischen 1933 und 1945 den Rücken kehrten, fand in Frankreich, Großbritannien und vor allem den USA Zuflucht. Dass auch die Türkei etwa 1000 deutsche Flüchtlinge aufnahm, ist weniger bekannt. Rund 200 von ihnen waren Wissenschaftler/innen, Künstler/innen und Politiker/innen, deren berufliches Engagement von den türkischen Institutionen ausdrücklich willkommen geheißen und gefördert wurde.
Die Ausstellung »Haymatloz – Exil in der Türkei 1933–1945« beleuchtet dieses »Elitenexil« und skizziert einzelne Biografien prominenter Exilanten wie Paul Hindemith, Bruno Taut oder Ernst Reuter. Daneben werden aber auch die sich verändernden Lebensbedingungen dargestellt, die vor allem Emigrant/innen zu spüren bekamen, die unter weniger privilegierten Voraussetzungen in die Türkei kamen. Wir freuen uns, die Ausstellung des Aktiven Museums Berlin in unserer Galerie des August Bebel Instituts zeigen zu können.
In Kooperation mit dem Aktiven Museum Faschismus und Widerstand in Berlin e.V.
Vernissage: Do 8. Oktober 2009, 19 Uhr, mit Dr. Christian Hanke, Bezirksbürgermeister Mitte von Berlin und Dr. Christine Fischer-Defoy Vorsitzende Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin e.V. Galerie im Kurt Schumacher Haus, Berlin Wedding, Veranstaltung N90
 

Di 13. Oktober 2009, 18–21.15 Uhr

Haymatloz – »Im goldenen Käfig«: Ernst Reuters Jahre in Ankara
Zeitzeugengespräch mit Edzard Reuter

Dass Exil keinen Rückzug ins Privatleben bedeuten muss, zeigt die Biografie Ernst Reuters auf sehr eindrucksvolle Weise. Verkehrsexperte, Hochschullehrer für Kommunalpolitik, etwa 80 veröffentlichte Artikel und Gutachten – in den elf Jahren, die die Familie Reuter ab 1935 in Ankara verbrachte, wurde der spätere Regierende Bürgermeister von Berlin zu einer festen Größe in der türkischen Wissenschaftslandschaft.
Sein Sohn Edzard Reuter wird von den Erfahrungen in der Emigration berichten, davon, wie sie das Leben und Wirken der Reuters auch nach der Rückkehr nach Berlin prägten. Auch aktuelle Fragen, die sich in der heutigen Einwanderungsgesellschaft Deutschland stellen, werden diskutiert.
Leitung: Daniela Honigmann, Historikerin (M.A.)
Di 13. Oktober 2009, 18–20.30 Uhr (anschl. Führung durch die Ausstellung) in der Galerie des August Bebel Instituts, Berlin Wedding, beitragsfrei, Anmeldung bis 9.  Oktober 2009, Veranstaltung N91
 

Do 29. Oktober 2009, 18–21.15 Uhr

Haymatloz – Kindheit und Jugend im türkischen Exil.
Gespräch mit Zeitzeug/innen

Unter den etwa 1000 deutschen Flüchtlingen, die ab 1933 in der Türkei Aufnahme fanden, waren rund 300 Kinder. Wie erlebten sie die Emigration? Wie gelang es ihnen, sich in der neuen Umgebung, in der unbekannten Sprache zurechtzufinden? Wo gingen sie zur Schule? Und welche Bedeutung kommt den Exiljahren für ihr späteres Leben zu?Diesen und anderen Fragen soll an diesem Abend in einem Gespräch mit Zeitzeug/innen nachgegangen werden, die ihre Kindheit und Jugend im türkischen Exil verbrachten:
– Cornelius Bischoff, 1928 in Hamburg geboren, kam im Mai 1939 in die Türkei. Von 1944-45 war er in Corum interniert. 1948 machte er das staatliche türkische Abitur, danach begann er sein Studium an der Juristischen Fakultät in Istanbul. Ab 1949 lebte er wieder in Hamburg. Er übersetzte Yasar Kemal und Orhan Pamuk ins Deutsche und schrieb Drehbücher, u.a. das Drehbuch zum mehrfach ausgezeichneten Kinderfilm „Gülibik“. 1995 erhielt er die Ehrenurkunde des Türkischen Ministeriums für Kultur.
– Dr. Silvia Giese, geb. Rohde, 1931 geboren in Marburg/Lahn, kam 1936 in die Türkei. Bis 1949 lebte sie in Ankara. 1950 legte sie in Berlin das Abitur ab und anschließend studierte sie Medizin.
– Kurt Heilbronn, geboren 1951 in Istanbul. Sein Vater war Alfred Heilbronn, der bis 1933 Professor an der Universität Münster war und dann in die Türkei emigrieren musste, seine Mutter war Türkin. Kurt Heilbronn besuchte zunächst die türkische Volksschule, wurde dann aber auf Wunsch des Vaters in ein deutsches Internat geschickt. Er machte das deutsche Abitur und studierte Psychologie.
Leitung: Sabine Hillebrecht, Aktives Museum Berlin
Do 29. Oktober 2009, 18–20.30 Uhr (anschl. Führung durch die Ausstellung) in der Galerie des August Bebel Instituts, Berlin Wedding, beitragsfrei, Anmeldung bis 24. Oktober 2009, Veranstaltung N93

Do 12. November 2009, 18–21.15 Uhr

Türkei 1980: Putsch – Repression – Exil.
Gespräch mit Zeitzeug/innen

Am 12. September 1980 putschte sich das türkische Militär zum dritten Mal innerhalb von 20 Jahren an die Macht. Zum »Schutz der Einheit des Landes« wurde das Kriegsrecht verhängt und alle politischen Parteien und Organisationen wurden verboten. Unterdrückung und Gewalt prägten das Leben in der Türkei: Tausende Menschen verschwanden spurlos, wurden Opfer politischer Verfolgung. Verhaftungen, Folter und Ermordungen waren an der Tagesordnung. Zehntausende zwang dieses Klima, ihre Heimat zu verlassen. Sie fanden Zuflucht in der Bundesrepublik und wurden somit Teil der zweiten großen Einwanderungswelle aus der Türkei.
Wir sprechen mit Zeitzeug/innen über die Lage der Türkei zu Beginn der achtziger Jahre, über ihr Leben als Exilanten in Deutschland und darüber, ob das Exil für sie zur neuen – auch politischen – Heimat werden konnte.
Leitung: Irmela Regenbogen, August Bebel Institut
Do 12. November 2009, 18–20.30 Uhr (anschl. Führung durch die Ausstellung) in der Galerie des August Bebel Instituts, Berlin Wedding, beitragsfrei, Anmeldung bis 8. November, Veranstaltung N92
 

So 15. November 2009, 18–21.15 Uhr

Haymatloz – Finissage und Gespräch: Spuren deutscher Wissenschaftler/innen in der Türkei. Gespräch mit Jutta Limbach

Im Gegensatz zu klassischen Exilländern wie Großbritannien oder der Tschechoslowakei, in die zwischen 1933 und 1945 zahlreiche Deutsche aus allen Gesellschaftsschichten flüchteten, suchten in der Türkei vor allem Wissenschaftler/innen und Künstler/innen Schutz vor dem nationalsozialistischen Regime.
Zum Abschluss der Ausstellung »Haymatloz« wollen wir mit Jutta Limbach, Schülerin des fast zwei Jahrzehnte im türkischen Exil lehrenden Rechtswissenschaftlers Ernst E. Hirsch, Erklärungen für dieses »Elitenexil« finden und nach bleibenden Spuren fragen, die Deutsche in dem Land zwischen Schwarzem und Mittelmeer hinterlassen haben.
Nach dem Gespräch haben die Besucher/innen noch einmal ausreichend Gelegenheit, die Ausstellung anzuschauen und bei einem Umtrunk feierlich ausklingen zu lassen.
Leitung: Daniela Honigmann, Historikerin (M.A.)
So 15. November 2009, 18 Uhr in der Galerie des August Bebel Instituts, Berlin Wedding, beitragsfrei, Anmeldung bis 10. November, Veranstaltung N94

 

 

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