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Berichte aus Veranstaltungen zu August Bebel finden Sie hier.
Bericht von der Ausstellungseröffnung am 7. Mai 2010

Wer verlässt schon gerne sein Heimat? Aus welchen Gründen fliehen Menschen? Und was finden Sie an den neuen Orten vor? Das Menschenrecht auf Asylsuche und seine historischen Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte ist Gegenstand einer Ausstellung, die von Hauptschüler/innen der Rudolf-Diesel-Oberschule im Rahmen eines Projektes des August Bebel Instituts erstellt wurde.
Am Freitag, den 7. Mai 2010, haben wir diese Ausstellung mit ca. 60 Gästen feierlich eröffnet. Grußworte der Staatssekretärin für Bildung, Jugend und Familie Claudia Zinke und von Christa Meyer von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (die das Projekt finanzierte) bildeten den Auftakt.
Die menschenrechtliche Situation von Flüchtlingen in der Bundesrepublik Deutschland beleuchtete in einem Redebeitrag ein Mitarbeiter eines Berliner Flüchtlingswohnheims. Lehrer/innen und Schüler/innen der am Projekt beteiligten Rudolf-Diesel-Oberschule schilderten, wie das Erarbeiten der Ausstellung die Haltungen der Schüler/innen Aslysuchenden gegenüber verändert und ihr Selbstbewusstsein über ihre eigenen Menschenrechte gestärkt hat.
Höhepunkte des Abends waren kulturelle Einlagen der Schüler/innen: Hip Hop und Menschenrechts-Rap hatte die Galerie im Kurt Schumacher Haus bisher noch nicht zu bieten.
Ausstellungszeitraum: 8. Mai bis 10. Juni, Mo bis Fr 1418 Uhr
Weitere Informationen zur Ausstellung: www.station-berlin.info
18.21. Juni 2009: August Bebel Institut in Istanbul

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, beim Besuch in Istanbul, 18.20. Juni 2009 (Foto: Fernando Miceli)
NGOs aus beiden Partnerstädten streben eine nachhaltige Vernetzung in den Bereichen Stadtentwicklung, Umwelt, Frauen und Gender, Migration und Gewerkschaften an.
Es ist eine Premiere in der städtepartnerschaftlichen Beziehung zwischen Berlin und Istanbul: Erstmals werden sich auch zivilgesellschaftliche Organisationen und Initiativen aus beiden Städten vernetzen und die Städtepartnerschaft »von unten« mit Leben füllen.
Zeitgleich zur Besuchsreise des Regierenden Bürgermeisters nach Istanbul aus Anlass des 20-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft trafen sich am 19. Juni 2009 im Istanbuler Kulturzentrum »Depo Istanbul« (Alte Tabakbörse) VertreterInnen von NGOs aus beiden Städten zum Kennenlernen und zum Dialog.
Die Berliner Gäste berichteten in Vorträgen und Gesprächen aus der Geschichte und den Erfahrungen der sozialen und Bürgerbewegungen in Berlin. Im Fokus standen die Themen Stadtentwicklung, Umweltpolitik, Frauen / Gender, Migration und Gewerkschaften in Berlin.
Mi, 13. Mai 2009, 1820.30 Uhr, Galerie im Kurt-Schumacher-Haus (M72)


Wir alle kennen die Bilder von Flüchtlingsbooten, die an der Küste Italiens, Griechenlands oder Maltas anlanden übervoll von Menschen, die auf der Flucht vor Verfolgung oder Kriegen die Risiken einer solchen »Reise« auf sich nehmen.
Dr. Tillmann Löhr, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag gab vor 25 interessierten Zuhörer/innen einen Überblick über den Ausbau der europäischen Grenzsicherung. Dabei spielt die Koordinierungsstelle FRONTEX eine zentrale Rolle, die die operative Zusammenarbeit aller EU-Staaten an der Grenzsicherung plant, aber auch konkrete Rückführungsaktionen aufgegriffener Flüchtlingsboote auch in internationalen Gewässern unternimmt. Durch Rückübernahmeabkommen mit angrenzenden Drittstaaten der EU wie Marokko oder Lybien und die Unterstützung dieser Drittstaaten bei dem Aufbau von Asyllagern auf deren Territorium verlagert sich die EU-Außengrenze faktisch nach Süden die Flüchtlinge werden bereits an der Abfahrt auf afrikanischer Seite gehindert. Dr. Löhr verdeutlichte anschließend die flüchtlings- und menschenrechtlichen Probleme, die dieses Grenzregime bedeuten. Denn berechtigte Asylantragstellungen werden so im Ansatz verhindert. Auch völkerrechtliche Regelungen wie das »refoulement«-Verbot (das Verbot der Abschiebung von Flüchtlingen in Länder oder Regionen, in denen ihnen schwere Menschenrechtsverletzungen drohen) werden so nicht beachtet.
Im zweiten Teil der Veranstaltung stellten Anna Friedrich und Anna Voigt von der Naturfreundejugend Berlin eine flüchtlingspolitische Studienreise nach Sizilien und Lampedusa vor. Sie berichteten dabei über die Lebensbedingungen von Flüchtlingen in den Aufnahmelagern an der Außengrenze Italiens und stellten flüchtlingspolitische Akteure vor.
Di, 17. März 2009, 1921 Uhr, Rathaus Schöneberg (M83)

Obere Reihe: Sybille Volkholz, Anke Martiny, Michaele Schreyer, Heide Pfarr; untere Reihe: Jutta Limbach, Anne Klein, Ingrid Stahmer, Barbara Riedmüller
Genau zwanzig Jahre nach Amtsantritt des rot-grünen Senats von Walter Momper trafen alle acht ehemaligen Senatorinnen am 17. März 2009 an historischem Ort, nämlich im Willy-Brandt-Saal des Schöneberger Rathauses wieder zusammen. Nachdem das historische Gruppenfoto auf den Flurtreppen nachgestellt worden war, versammelte man sich erneut zum »Hexenfrühstück« auf dem Podium.
Anke Martiny, Senatorin für Kulturelle Angelegenheiten a.D., erinnerte sich, diesen Begriff für die wöchentlichen Treffen der acht Frauen vom Hamburger Vorbild übernommen zu haben. Auch wenn dadurch ein spezieller Zusammenhalt und Solidarität geschaffen wurden und man sich in diesem Rahmen noch heute regelmäßig trifft, machte die folgende Diskussion deutlich, dass die Erinnerungen und Ansichten zu den Begebenheiten in den Jahren 1989 und 1990 durchaus kontrovers sind.
So sah Heide Pfarr, Senatorin für Bundesangelegenheiten a.D., den von ihnen eingeführten neuartigen Führungsstil vor allem darin begründet, dass fast alle weiblichen Senatsmitglieder Politneulinge waren. Sybille Volkholz, Senatorin für Schule, Berufsausbildung und Sport a.D., warf hingegen ein, durch ihr langjähriges Engagement in der GEW durchaus Erfahrungen in Leitungspositionen gehabt zu haben. Sie erzählte von großen Schwierigkeiten in der ihr zugeordneten Schulverwaltung, die sich als starr und konservativ erwies. Im Gegensatz dazu konnte Michaele Schreyer von sehr positiven Erfahrungen und einer großen Kooperationsbereitschaft ihrer Mitarbeiter/innen im Umweltressort berichten.
Die damalige Senatorin für Frauen, Jugend und Familie, Anne Klein bilanzierte, mit dem Amtseid »So wahr mir Göttin helfe« und der Einführung des großen »I« für ein neues frauenpolitisches Bewusstsein gesorgt zu haben. Sie beurteilt es heute als Fehler der Berliner Grünen, die Koalition 1990 nur drei Wochen vor den Wahlen aufgekündigt zu haben. Ingrid Stahmer, damals Bürgermeisterin und Senatorin für Soziales und Gesundheit, zeigte sich heute noch empört, dass keine der weiblichen Senatsmitglieder im November 1990 von den bevorstehenden Räumungen der besetzten Häuser in der Mainzer Straße informiert worden war, während Jutta Limbach, Justizsenatorin a.D., Selbstkritik anmahnte und den Grund dafür darin sah, dass die Frauen sich offenbar zu wenig machtbewusst gezeigt hatten.
Das schien sich auch in der allgemeinen öffentlichen Wahrnehmung niederzuschlagen, denn Barbara Riedmüller, die 1989 das Ressort Wissenschaft und Forschung übernommen hatte, bemerkte, dass die Presse nicht nur Interesse an ihrer politischen Arbeit, sondern besonders auch an Modefragen und ihren Einkaufsgewohnheiten zeigte.
Auch wenn vor zwanzig Jahren die Zeit noch nicht reif war für eine Mehrzahl an Frauen in politischen Führungspositionen und die aktuelle Bilanz alles andere als zufriedenstellend ist, so sahen es die acht Frauen doch als einen ihrer Erfolge an, den Weg für die heutige Bundeskanzlerin mit geebnet zu haben.
Bericht: Daniela Honigmann

Blick ins Publikum im Willy-Brandt-Saal des Rathaus Schöneberg

Vier Senatorinnen für Justiz: Karin Schubert (20022006), Jutta Limbach (19891990), Lore Maria Peschel-Gutzeit (19941997) Gisela von der Aue (seit 2006)

Walter Momper im Gespräch

Ingo Siebert und Ingrid Stahmer
Rede von Siegfried Heimann beim Festakt im Willy-Brandt-Haus
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Do 24. April, 1821 Uhr
Beitrag von Siegfried Heimann
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Mo 22. September 2008, 1820 Uhr (L87)
Zum Ende des Gedenkjahres 2008 zeigt sich das Publikum von Thema „1968“ gesättigt, und so fand unsere Veranstaltung in relativ kleiner, aber sehr anregender Runde statt. Eine geistreiche und unterhaltsame Diskussion entstand zwischen den eingeladenen Gästen Sibylle Plogstedt, Stepan Benda und Gert Weisskirchen, an der sich auch die Zuschauer beteiligten.
Bendas Rückblick auf die liberalen 60er Jahre und den Beginn des Prager Frühlings wurden ergänzt von einem Bericht aus der slowakischen Provinz von einem Zuschauer. Desweiteren benannte Benda anhand seiner Erinnerungen an Rudi Dutschke die wesentlichen Unterschieden zwischen der tschechischen und der deutschen Studentenbewegung, die Sibylle Plogstedt mit Hinweisen auf bestimmte Tabus, nach denen man im SDS keine demokratischen Wahlen für die CSSR fordern durfte, bestätigte.
Gert Weisskirchen stellte fest, dass beide Bewegungen ihre Chancen verpassten, weil sie die eigene Geschichte (das Aufkommen des Nationalsozialismus in Deutschland und des Stalinismus in der CSSR) keiner tiefen Analyse unterworfen haben. So war die Niederschlagung der Reformbewegung in der CSSR fast unvermeidlich.
Davon, dass dort nach dem 21. August aber noch nicht alles vorbei war, zeugten Frau Plogstedts Brichte über ihre Widerstandsarbeit sowie die anschließende Haft. Das spätere Engagement ihrer damaligen Mitstreiter in der Charta 77 und der Regierung ab 1990 zeigt, wie lange der Prager Frühling nachwirkte. Das hat auch Weisskirchen mit der Entspannungspolitik der 80er Jahre erfahren. Selbst zahlreiche Kontakte zu osteuropäischen Dissidenten pflegend, hat er es immer bedauert, dass sich die offizielle Politik der SPD auf die herrschenden Kommunistischen Parteien beschränkten.
Sibylle Plogstedts abschließende These, dass es 1989 nicht ohne 1968 gegeben hätte, ergänzte Benda mit dem Hinweis auf die Bedeutung der polnischen Solidarnosc.
Bericht: Daniela Honigmann
Do 24. April 2008, 1821 Uhr, Willy-Brandt-Haus (K81)
Vor 100 Teilnehmern führte Dr. Siegfried Heimann in das Thema ein und diskutierte mit den drei Zeitzeugent: Klaus Schütz, damals Regierender Bürgermeister von West-Berlin, Jürgen Treulieb, seinerzeit AstA-Vorsitzender der FU-Berlin und Peter Brandt, Sohn Willy Brandts, der ebenfalls in der Studentenbewegung engagiert war.
Überraschend erklärte Klaus Schütz der die Begriffe Studentenbewegung und APO trennte die APO hätte den Senat damals gar nicht so beschäftigt. Nur die großen Ereignisse, der Schah-Besuch am 2. Juni 1967, der Vietnam-Kongress im Februar 1968 und das Attentat auf Rudi Dutschke seien für ihn damals wichtig gewesen.
Natürlich wurde das Verhältnis Willy Brandts zu seinem Sohn angesprochen. Der SPD-Vorsitzende und Außenminister wurde damals gelegentlich aufgefordert, seinen Sohn zur Räson zu bringen. Brandt ließ sich aber in sein Verhältnis zu seinem Sohn nicht hinein reden und tolerierte dessen abweichendes Politikverständnis.
Eine Wandlung vollzog sich damals in der Haltung Brandts zum Vietnam-Krieg. In seiner Zeit als Regierender Bürgermeister Berlins blieb sein Standpunkt, in Vietnam würde die Freiheit West-Berlins verteidigt. In einem anderen personellen Umfeld im Bonner Außenamt sah er diesen Krieg zunehmend kritischer.
Tilman Fichter trug in einem Diskussionsbeitrag die These vor, seine Generation (Jahrgänge um 1940) würde seit dem Vietnam-Krieg die USA vor allem als imperialistische Aggressionsmacht betrachten. Die Generation von Klaus Schütz (Jahrgang 1926), kann sich noch daran erinnern, 1945 von den USA befreit worden zu sein. Diese verschiedenen Erfahrungen hätten auch die Haltung zum Irak-Krieg 2003 strukturiert. Fichter brachte seinen Generationskollegen Gerhard Schröder als Beispiel, der den Einsatz der Bundeswehr im Irak konsequent ablehnte. Die These wurde von Klaus Schütz bestätigt.
Bericht: Reinhard Wenzel
Berlinrundfahrt per Bus mit Erläuterungen in Wort und Klang
Sa 24. Mai 2008, 1418 Uhr (K84)
Passend ausgesucht, der Auftaktort: in der neue Rudi-Dutschke-Straße besteigen wir unseren Reisebus, mit dem wir die folgenden vier Stunden durch das Berlin Rudi Dutschkes fahren. Mit an Bord ist natürlich auch unser „Zeitreiseführer“ Thomas-Dietrich Lehmann. Der deutet uns die markanten Orte und schildert die dazugehörigen Geschehnisse und das gesellschaftliche Klima. Unterwegs sorgen auch immer wieder Musikdokumente der damaligen Liedermacherszene für Zeitkolorit. Die Tour beginnt im ehemaligen Ostberlin. Auch dort gab es einen politischen, sozialen wie kulturellen Aufbruch 1968 wenn auch heute wesentlich weniger beachtet und erinnert. Wolf Biermanns Auftrittverbot in der DDR ab 1965 etwa fällt in diese Zeit. Dann wechseln wir »rüber« in den ehemaligen Westen. Moabit, Charlottenburg, dann Kurfürstendamm hier reihen sich die markanten Orte von 1968 wie eine Kette aneinander: das Grips-Theater am Hansaplatz als Beispiel des damals radikalen kulturellen und pädagogischen Aufbruchs, die Kommune »K1« am Stuttgarter Platz, das Audimax der TU Berlin als Veranstaltungsort des Vietnam-Kongresses 1968, der Ku’damm schließlich als öffentlicher Raum für die damals neuartigen kreativen politischen Aktionsformen der Studentenproteste und Vietnamgegner. Am hinteren Ende des Ku´damms treffen wir auf die Deutsche Oper (als Ort der Polizeischüsse auf den Anti-Schah-Demonstrant Benno Ohnesorg) und die ehemaligen Büros des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS). Vor dem SDS-Büro geschah am 11.4.1968 das Attentat auf Rudi , an deren Spätfolgen er 1979 in Dänemark starb. Beigesetzt wurde Dutschke allerdings in Berlin-Dahlem auf dem Friedhof der Bekennenden Kirche-Gemeinde von Bonhoeffer, Niemöller und Gollwitzer. Der Besuch am Grub markiert den westlichsten Wendepunkt unserer Rundfahrt.

Der Rückweg in die Innenstadt folgt dann den Spuren und Langzeitwirkungen, die die Bewegung 1968 in der Stadt hinterlassen haben. Beispiele dafür sind die UFA-Fabrik in Tempelhof, das bis heute selbstverwaltete Mehringhofkollektiv alternativer Kleinunternehmer und politischer und sozialer Initiativen, das Jugendzentrum Tommy-Weisbecker-Haus in Kreuzberg und schließlich das Verlagsgebäude der einmal als Gegenöffentlichkeit gegründeten Tageszeitung „»taz« zurück in der Rudi-Dutschke-Straße sie alle stehen bis heute für alternative Lebens- und Wirtschaftsformen und damit für den Versuch der 1968er, an die Stelle des Bestehende das Andere und Mögliche auf den Weg zu bringen.
Bericht: Annette Wallentin
Fr 25. April 2008, 1618 Uhr

Trotz des drohenden April-Regens versammeln sich 25 Teilnehmer an der Gethsemanekirche. Dort empfängt uns Frau Kenawi, unsere Leiterin für diesen Rundgang, mit einer kurzen Einführung zum Thema »Geschichte der Frauenbewegung« im Rahmen der DDR-Oppositionsbewegungen. Hier in Prenzlauer Berg trafen auf besondere Weise gesellschaftliche Faktoren und engagierte Menschen aufeinander, die dann zu Veränderungsprozessen der Gesellschaft auch außerhalb des Bezirkes- geführt haben. Die Frauenbewegung in Prenzlauer Berg der Achtziger Jahre ist ein Beispiel für alternative Denkweisen und Lebensstile von Menschen, die Freiräume innerhalb des DDR-Regimes suchten und diese teilweise in kreativer Weise geschaffen haben.
Unser erster Haltepunkt ist gleich um die Ecke vor dem Gemeindehaus, in dem sich die »Lesben in der Kirche« versammelten. Die »Lesben in der Kirche« waren eine lesbisch-feministische Initiative für die Integration von homosexuellen Bürger/innen in die Gesellschaft. Gegründet im Jahr 1982, schafften sie sich Raum unter dem Dach der evangelischen Kirche und entwickelten eine andere Art von Beziehung zwischen dem Staat und der privaten Sphäre. Frauen gewannen etwas Handlungsraum, z.B. (beschränkte) Versammlungs- und Organisationsfreiheiten. Wir erfahren von Frau Kenawi, dass diese Frauen politisch sehr engagiert und selbstbewusst waren und die Türen für Tabu-Themen öffneten, die erstmals in der Öffentlichkeit behandelt wurden. Ein Höhepunkt ihres Engagements war ihre Einsetzung für die Ehrung der homosexuellen Opfer des Faschismus. In diesem Zusammenhang führten sie 1984 eine Gedenkveranstaltung in der Gedenkstätte des KZ Ravensbrück durch.
Der Weg führt uns vorbei am ehemaligen Sitz des Demokratischen Frauenbund Deutschlands (DFD). Auf der Lychener Straße kommen wir am ehemaligen ersten Frauenbuchladen des Ostens (»Der kleine Buchladen«) vorbei. Danach kommen wir in der Kulturbrauerei an, wo wir die Sonne geniessen, die den Regen jetzt verjagt hat. Dort erfahren wir mehr über alternative und kreative Wohn- und Lebensstille, wie z.B. das Projekt »Wohnen & Arbeit« in der Knaackstraße oder ein Kinderladen, der sich in der Husemannstraße befand und 1982 von den »Frauen für den Frieden« aufgebaut wurde. Diese Initiative strebte eine Kindererziehung fern von Militarisierung/Gewalt an, endete jedoch bereits 1983 mit der Verhaftung von vier Frauen der Bewegung.
Unser Rundgang endet am Kollwitzplatz. Hier erfahren wir von der »Begrünung der Kollwitzplatzes« eine Aktion, die Ende der 1970er Jahre stattfand und ein Beispiel dafür ist, wie Räume für Partizipation und politischen Austausch (hier zwischen evangelischen Gemeinden in der DDR und in Holland) auf sehr kreative Art geschaffen wurden.
Mit dieser Veranstaltung gelang ein lebendiger Rückblick auf kreative Initiativen, die sich Freiräume innerhalb eines repressiven Systems geschaffen haben. Es ermöglichte den Teilnehmer/innen, die Zeit zu vergegenwärtigen, in der ganz anderes politisches Handeln den Alltag bestimmte, und Menschen nach Freiräumen suchten, inmitten der konstanten Angst, der Ungewissheit, aber auch der gegenseitigen Solidarität für mehr Freiheit.
Bericht: Paloma Bauer
Der Beitrag von Hausprojekten zu einer nachhaltigen Stadtteilentwicklung
Sa 12. April 2008, 1418 Uhr

Berlin-Wedding, mitten im »Problemkiez« Soldiner Straße: Über einen grünen Hinterhof betreten wir das Hausprojekt »Zorrow«. Hier sind wir Gäste am großen Gemeinschaftsküchentisch, um bei Kaffee und hausgemachtem Kuchen zwei Referaten zu den stadtteilaktivierenden Effekten von Wohnprojekten zu folgen. Der Einladung des August-Bebel-Instituts folgten über 30 Teilnehmer/innen. Damit ist die lange Tafel voll besetzt, stadtpolitisch interessierte oder engagierte Bürger/innen sitzen neben Menschen, die selber in Wohnprojekten leben. Die Altersspanne reicht von Anfang 20 bis über 70.
Michael LaFond vom Institut für kreative Nachhaltigkeit id22 beschreibt in seinem Vortrag Geschichte und Vielfalt der Berliner Wohnprojekte-Szene und zitiert eine Studie über die Motive der Menschen in solchen Häusern es geht ihnen etwa darum, der Anonymität der Großstadt ein gemeinschaftliches Leben in einer vertrauten Gruppe entgegenzusetzen, und in Zukunft immer mehr, auch ein Älterwerden und Sterben in Gemeinschaft.
Dass die Solidarität innerhalb des Hauses auch auf die Nachbarschaften außerhalb ausstrahlen kann, zeigt Brita Wauer von der Stadtentwicklungsgesellschaft L.I.S.T. GmbH (Lösungen im Stadtteil) in ihrem Referat in einem Fallbeispiel aus der Praxis: anhand des »Problemkiezes« Soldiner Straße erläutert sie, welche Wohnprojekte vor Ort bestehen und auf welche Weise diese sozial stabilisierend auf das Quartiersgebiet einwirken. Die meist hohe Kommunikationsfähigkeit der Bewohner/innen solcher Projekte, der Zugewinn an Identifikation mit dem eigenen Stadtteil sowie das Mittun in stadtteilbezogenen Initativen wie den Quartiersmanagement-Aktivitäten spielen dabei eine Rolle.
Wohnprojekte können darüber hinaus auch ein ausdifferenziertes soziokulturelles Konzept für ihren Stadtteil entwickeln und sehr erfolgreich umsetzen. Das beweist unsere Exkursion zur Selbstverwalteten Wohnungsbaugenossenschaft Prinzenallee 58 im Anschluss: Neben 80 Bewohner/innen in größeren WGs befinden sich in der ehemaligen Hutfabrik auch mehrere Nachbarschaftseinrichtungen, in denen speziellen Zielgruppen wie Rollstuhlfahrer/innen, migrantischen Eltern etc. Räume für ihre Arbeit zur Verfügung gestellt werden. Das Aufsichtsratmitglied Elfi Witten ermöglichte uns einen Einblick in dieses interessante und stadtteilpolitisch ambitionierte Hausprojekt bei einem Rundgang über die Gemeinschaftsflächen und einzelne Wohnbereiche.
Der Nachmittag begann an einem Gemeinschaftsküchentisch und endete vier Stunden später wiederum in der Küche einer Groß-WG: Politische Bildung kann sehr lebensnah sein.
Bericht: Annette Wallentin / Foto: Stefan Reuyss, SoWiTra
So 17. Feburar 2008, 1618 Uhr, Willy-Brandt-Haus
Der Sitzungssaal II im fünften Stock des Willy-Brandt-Hauses war mit fast 100 Teilnehmer/innen bis auf den letzten Stuhl gefüllt. Vor allem viele Alt-Falken waren gekommen, um den Ausführungen des hochkarätig besetzten Podiums mit Uwe Soukup, Klaus Schütz, Dietrich Stobbe, Dieter Fitterling zu folgen und mit zu diskutieren. Nach einem Rückblick auf das Leben Ristocks und einigen anschaulichen Anekdoten der Zeitzeugen stiegen diese auch gleich engagiert in das Streitgespräch ein.
Dass mit den Parteiausschlüssen von Harry Ristock und Erwin Beck (und anderen) die schon Jahre lang schwelenden innerparteilichen Grabenkämpfe zwischen linker Minderheit, geführt von Ristock, und rechter Mehrheit ihren Höhepunkt fanden, bewies das Streitgespräch auf dem Podium, das sich zu einem großen Teil um die Ursachen dieser Auseinandersetzungen drehte. Dabei wurden die Frage der Haltung zu Brandts Entspannungspolitik, die machtpolitischen Ränke um den Rücktritt Heinrich Albertz’ und mit einer Wortmeldung aus dem Publikum auch die damals bestehende Spannung zwischen jüngerer und älterer Generation angesprochen. Das alles bekräftigte die Eingangsthese von Uwe Soukup, dass sich im Februar 1968 nicht nur die APO, sondern durchaus auch die Berliner SPD mit den verhärteten internen Fronten radikalisiert hatte.
Von den Parteiausschlüssen, die noch im gleichen Jahr wieder aufgehoben wurden, bleibt, so das Fazit, vor allem der bittere Nachgeschmack einer aufgeheizten Auseinandersetzung, die auch in Fotos von Transparenten mit der Aufschrift »Ristock, Gleitze, Beck die drei müssen weg« anschaulich wird.
Die abschließenden Worte von Klaus Schütz zeugen von einer gelungenen Veranstaltung: er rief nämlich auf, historische Erinnerungsarbeit in dieser Form in Zukunft doch öfter zu betreiben.
Bericht: Daniela Honigmann
15. Februar 2008, 1821.30 Uhr, in der Werkstatt der Kulturen


An dem Workshop, der gemeinsam mit dem Forum Berlin Istanbul e.V. durchgeführt wurde, nahmen rund 70 Personen teil. Er hatte zum Ziel, einen Gedankenaustausch zwischen den Bezirkspartnerschaften mit der Türkei zu initiieren. Unmittelbarer Anlass war, dass im Jahre 2009 die Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Istanbul ihr 20jähriges Jubiläum feiern wird.
Beteiligt waren Vertreterinnen aus Partnerschaftsvereinen und aus Bezirksämtern der Partnerschaften Spandau/Iznik (seit 1987), Friedrichshain-Kreuzberg/Kadiköy-Istanbul (seit 1997), Neukölln/Cigli-Izmir (seit 2005), Pankow/Mersin (seit 2004) und Mitte/Beyoglu-Istanbul (in Gründung). Mit der Veranstaltung gelang es, auch allgemein Interessierte an der Zusammenarbeit Berlins mit der Türkei und insbesondere Istanbuls anzusprechen und diesen Anregungen für das Partnerschaftsjubiläum BerlinIstanbul 2009 zu vermitteln.
Im Vordergrund stand das zivilgesellschaftliche Engagement im Rahmen von Städtepartnerschaften. Wesentliche Erfahrungen hierbei sind:
Gründung, Kontinuität und Entwicklung der Partnerschaften hängen stark vom Engagement einzelner Personen ab. Die Bildung von Partnerschaftsvereinen, die unabhängig von den bezirklichen Verwaltungen aktiv sind und sich in konkreten bezirklichen Fragen engagieren, ist dabei unerlässlich, auch um über wechselnde (partei-)politische Konstellationen hinaus Kontinuität herzustellen.
Die Partnerschaften müssen sehr unterschiedlichen Motiven und Interessen Rechnung tragen. Dabei steht der interkulturelle Erfahrungsaustausch zunächst im Vordergrund. Direkte Interessen an politischer und wirtschaftlicher Kooperation sind schwieriger zu realisieren.
Wichtig ist eine Zusammenarbeit »auf Augenhöhe«. Die Verständigung zwischen den unterschiedlichen Partnern stößt auf viele wechselseitige Missverständnisse und Vorurteile. Ein Bewußtsein für Schwierigkeiten interkultureller Kommunikation ist daher ein wesentliches Element der Partnerschaft.
Die Beteiligung der türkischen Communities in Berlin an den Städtepartnerschaftsvereinen ist unterschiedlich. Einige Bezirke müssen diese Beteiligung aber herstellen.
Partnerschaftsarbeit ist vornehmlich Netzwerkarbeit. Dem Städtepartnerschaftsverein kommt dabei die Rolle zu, Kontakte anzubieten, zu vermitteln und einen Rahmen hierfür zu schaffen.
Die Möglichkeit des Austauschs steht und fällt mit den materiellen Möglichkeiten. Möglichkeiten, die Finanzierung auf breitere Grundlage zu stellen, bestehen in der Kooperation mit Institutionen, freien Trägern und Initiativen.
Es bestand Einigkeit, dass der Gedankenaustausch fortgesetzt werden soll. Das Forum Berlin Istanbul wird die Teilnehmenden in seinen weiteren Prozess der Vorbereitung des Partnerschaftsjubiläums einbeziehen und sie zu einem Vorbereitungstreffen für eine geplante zivilgesellschaftliche Konferenz einladen.
Ausführlicher Veranstaltungsbericht (PDF)
Bericht: Albert Statz
Do 15. November 2007, 1921 Uhr, in der Werkstatt der Kulturen
Gerald Knaus, Präsident der Europäischen Stabilitätsinitiative (ESI) stellte zu Beginn kurz die Ergebnisse der Forschungsstudie seines Hauses vor, die im Sommer 2007 unter dem Titel »Geschlecht und Macht in der Türkei Feminismus, Islam und die Stärkung der türkischen Demokratie« veröffentlicht wurde.
Der Referent hob dabei sehr stark auf die Verbesserung der rechtlichen Situation der Frauen ab, die durch eine Vielzahl von grundlegenden Gesetzesänderungen in den letzten vier Jahren erreicht worden sei. In der Geschichte der türkischen Republik konnte damit seiner Ansicht nach erstmals für Frauen ein Rechtsstatus als von der Familie bzw. vom Ehemann unabhängige Rechtspersönlichkeit durchgesetzt werden. Diese und eine Reihe weiterer wichtiger Veränderungen seien ein enormer Fortschritt für die Frauen, wie er seit der Republikgründung nicht mehr zu verzeichnen war.
In der anschließenden Diskussion formulierten TeilnehmerInnen, insbesondere von Berliner Frauenorganisationen, zunächst eine grundlegende Ablehnung des Islam bzw. Skepsis gegenüber islamisch geprägten Gesellschaften im Hinblick auf die Situation von Frauen. Knaus konterte mit einem zeitgeschichtlichen Vergleich mit Spanien, wo die Situation der Frauen unter dem Einfluss des Katholizismus über lange Zeit mit der in islamisch geprägten Ländern vergleichbar gewesen sei. Mit der Integration in die EU habe in Spanien der konservative Katholizismus deutlich an Einfluss verloren. Die Türkei befinde sich in einem ähnlich dynamischen Veränderungsprozess, der längst alle Teile der Gesellschaft, auch die Beziehungen der Geschlechter, erfasst habe.
Widerspruch kam aus dem Publikum mit Blick auf die Knaussche Darstellung, der Veränderungs- und Liberalisierungsprozess sei wesentlich von der konservativ-islamischen Regierungspartei AKP ausgegangen. Nach Ansicht der Diskutantinnen aus dem Publikum seien es vielmehr vor dem Hintergrund des EU-Beitrittsprozesses vor allem die fantasie- und kraftvollen Kampagnen der türkischen Frauenbewegung gewesen, die eine Änderung der Rechtslage durchgesetzt hätten. Der Referent stimmte dem zu und ergänzte, die Gesetzesänderungen seien auf den anhaltend starken Druck der Frauenorganisationen hin letztlich auch mit den Stimmen der größten Oppositionspartei CHP beschlossen worden.
Einig war man sich darin, dass der EU-Beitrittsprozess große Chancen nicht nur für die Frauenrechte, sondern auch eine weitergehende Demokratisierung bietet und Spielräume für die Zivilgesellschaft eröffnet. Strittig blieb, wie sich z.B. die absehbare Aufhebung des Kopftuchverbots an Hochschulen auf die Alltagssituation von Frauen, insbesondere von Nicht-Kopftuch-Trägerinnen auswirken werde. Einige Teilnehmerinnen befürchten unter der AKP-Regierung eine stärkere, aggressivere konservativ-islamische Hegemonie im Alltag (wie bereits vielerorts mit dem Alkoholverbot in Gaststätten), die trotz gesetzlicher Verbesserungen die Situation der Frauen verschlechtern könnte, und sehen historische Errungenschaften in Gefahr.
In der lebhaften, aber fairen Diskussion mit den rund 30 anwesenden Teilnehmer/innen wurde einmal mehr deutlich, wie die Debatte über die Türkei eng mit den hiesigen Diskussionen über das Selbstverständnis der EU, den Islam in Westeuropa und der Lebenssituation von Menschen mit Migrationshintergrund verknüpft ist. Die Einschätzung der konservativ-islamischen »Revolution« in der Türkei und deren Ursachen, ihre Auswirkungen im Alltag und auf verschiedene gesellschaftliche Gruppen sowie die Chancen und Potenziale der türkischen Zivilgesellschaft liefert Stoff für weitere spannende Debatten.
Die Veranstaltung wurde vom rbb-Sender Radio Multikulti aufgezeichnet und in Auszügen im türkischsprachigen Programmteil gesendet.
Bericht: Udo Tremmel
Mi 7. November 2007, 1821 Uhr, Willy-Brandt-Haus
1957 wurde Willy Brandt zum Regierenden Bürgermeister von Berlin (West) gewählt. Dies nahm das August Bebel Institut zum Anlass, mit dem Historiker Siegfried Heimann als Referenten und dem früheren Regierenden Bürgermeister (19671977) Klaus Schütz eine rückblickende Veranstaltung durchzuführen. Eine wichtige Frage der Veranstaltung war, wann eigentlich die »neue Ostpolitik« Brandts (»Wandel durch Annäherung«) ihren Anfang genommen hatte.
Heimann berichtete, dass Willy Brandt schon in den 50er Jahren von der »Vereinigung der Deutschen wo sie leben« sprach. Damit begann bereist die Anerkennung der polnischen Westgrenze an Oder und Neiße, als die SPD Schlesien noch als deutsch betrachtete.
Brandt musste sich auf dem Weg zum Bürgermeister jahrelang mühselig gegen Franz Neumann und andere Funktionäre der Berliner SPD durchsetzen. War das eine Recht-Links Auseinandersetzung? Nein, sagt Zeitzeuge Klaus Schütz. Auch Neumann war kein »Linker«. Es handelte sich mehr um den kulturellen Unterschied des weltgewandten Brandt, der viel gesehen hatte und sich in den Medien darstellen konnte und den Vertretern des alten Arbeitermilieus.
Mi 31. Oktober 2007, 1820.30, Kurt-Schumacher-Haus
Der erste Teil der Veranstaltung wurde als Podiumsdiskussion durchgeführt. Die vier eingeladenen Expert/innen lieferten aus ihren jeweiligen Perspektiven zunächst eine Bestandsaufnahme zu Erscheinungsformen und Ausmaß von Rassismus und Gewalt im Fußball. Daran anschließend erörterten sie bereits umgesetzte und denkbare weitere Gegenmaßnahmen.
Dr. Erhart Körting (SPD), als Innen- und Sportsenator gleich doppelt für das Thema zuständig, gab die Lageeinschätzung der Polizei wieder und erläuterte die verschiedenen Senatsprogramme gegen Gewalt und Rassismus. Sabine Behn vom Mitveranstalter Camino präsentierte ihre Forschungsergebnisse aus dem Bereich des Profifußballs und zeigte auf, welche dort erfolgreichen Gegenstrategien sich auf den Amateur- und Jugendfußball übertragen lassen. Esther Lehnert von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin machte einige grundlegende Hinweise zu Rassismus und Rechtsextremismus und gab ihre Erfahrungen mit Gegenaktivitäten in anderen gesellschaftlichen Bereichen wieder. Gerd Liesegang, Vizepräsident des Berliner Fußball-Verbands, lieferte einen detaillierten Überblick über die Problemlagen sowie die vielfältigen Gegenmaßnahmen der Berliner Amateurfußballvereine.
Im zweiten Teil der Veranstaltung entwickelte sich eine lebhafte Diskussion mit den anderen Veranstaltungsteilnehmern, in deren Verlauf ganz unterschiedliche Gesichtspunkte angesprochen wurden, wie die Interventionsmöglichkeiten der Bezirksverwaltungen, Geschlechteraspekte oder nationalistische Tendenzen unter Migranten.
Bericht: Silvester Stahl
Di 9. Oktober 2007, 19.3021.30 Uhr, Kreuzberg Museum
Leider musste sich der geladenen Zeitzeuge Jupp Schröer aus gesundheitlichen Gründen entschuldigen lassen, aber der Vortrag Dr. Siegfried Heimanns barg ausreichend Diskussionsstoff. Zum Verhältnis zwischen Willy Kressmann, dem Enfant terrible in Kreuzberg, und Willy Brandt als Vertreter der Berliner SPD betonte er, dass der »Fall« Kressmann kein Rechts-Links-Konflikt war, passte der Kreuzberger doch in keine fraktionelle Schublade. Außerdem hatte Kressmann nicht, wie oft angenommen, früher als andere und zur Unzeit seine deutschlandpolitischen Ansichten entwickelt, sondern sie zumeist in einer unangemessenen, wenig diplomatischen Art und Weise geäußert.
Die Publikumsdiskussion dominierte die Frage, wie der Bezirksbürgermeister einstimmig von seinen eigenen Genossen abgewählt werden konnte. Seine damalige Sekretärin erinnerte sich, dass die Abwahl von Kressmann und seinen Vertrauten als „unfreundlicher Akt“, als Intrige empfunden wurde. Weitere Zeitzeugen berichteten von dem Gruppendruck, der in der SPD-Fraktion aufgekommen war, weil, so fasste Walter Momper letztlich zusammen, Kressmann wiederholt über die Strenge geschlagen und somit sein Ansehen verspielt hatte. Ein anderer Zuhörer fand zum Schluss versöhnliche Worte, als er dazu ermunterte, über die Abwahl nicht betrübt zu sein, endeten doch viele wichtige Politikerbiografien ähnlich.
Bericht: Daniela Honigmann
Di 11. September 2007, 19.3021.30 Uhr, Kreuzberg Museum
Zum Auftakt präsentierte Dr. Hans-Jürgen Heß eine Innenansicht der Berliner SPD der 50er Jahre, die vom Flügelstreit der Keulen-Riege, der Linken um Franz Neumann, und des Pfeifen-Clubs um Willy Brandt gekennzeichnet war. Kressmanns Einordnung in dieses Schema ist nicht ganz unproblematisch. Er war zwar einer der linken Protagonisten, kann aber aufgrund seiner Wirtschaftspolitik durchaus als rechts gelten. Die Politologin Andrea Lefevre berichtete anschließend, wie seine unorthodoxen Maßnahmen vor allem nach dem 17. Juni 1953 Kressmann zwar in der Bevölkerung Popularität verschafften, ihn mit Partei und Senat aber immer stärker in Konflikt kommen ließen.
Im Publikum traf das Thema auf reges Interesse. Dem Eindruck von Kressmann als einem Egomanen und Selbstdarsteller wurde seine Erfahrung im angelsächsischen Exil entgegengesetzt, aus dem er die Idee des bürgernahen Regierens mitbrachte. Unterschiede innerhalb der Partei zwischen Exilanten und Hiergebliebenen im Zweiten Weltkrieg wurden erläutert. Letztlich wurde festgehalten, dass bezüglich der Abwehrhaltung zum stalinistischen Osten kein Dissens zwischen Kressmann und dem rechten Parteiflügel und namentlich Willy Brandt bestand. Dass Kressmann 1962 trotzdem einstimmig abgewählt wurde, muss mit seinem streitbaren Politikstil, seinen Alleingängen begründet werden.
Bericht: Daniela Honigmann
Di 25. September 2007, 19.3021.30 Uhr, Kreuzberg Museum
Der vorangegangene Aufruf an Zeitzeugen, zu dieser Veranstaltung mit eigenen Erinnerungen beizutragen, wurde zahlreich befolgt: Kerstin Kohtz hielt ihren Lichtbildvortrag zum Werdegang Kressmanns vor einem fast überfüllten Zuschauerraum. Entsprechend lebhaft wurden die Anmerkungen von Günter König aufgenommen, der mit eigenen Erlebnisberichten die oft gehörten Mythen berichtigte: Willy Kressmann sei weder autoritär noch jemals Mitglied der CSU gewesen.
Die folgende Publikumsdiskussion war dank zahlreicher Anekdoten lebendig und äußerst amüsant. Überraschend gestaltete sich der Abend außerdem zu einer kleinen Familienzusammenführung: Günter König stellte stolz die von ihm ausfindig gemachte, einzige Tochter Kressmanns vor, die aus einer Liebschaft hervorgegangen war und sehr anschaulich und emotional von der ersten, späten Begegnung mit ihrem Vater und ihrem Abschied an seinem Sterbebett erzählte. Sie konnte obendrein zwei ihrer Cousins kennen lernen, die spontan an diesem Abend ins Kreuzberg Museum gekommen waren.
Bericht: Daniela Honigmann
Do 25. Oktober 2007, 19.3021 Uhr, Kreuzberg Museum
Wenn ein Name, eine Persönlichkeit den Menschen ein Begriff ist, ohne dass sie sich noch genau erinnern, woher sie ihn kennen, dann hat man es geschafft: So lautet eine der allgemeingültigen Erkenntnisse der letzten Veranstaltung in der Kressmann-Reihe. Neben dem einführenden Vortrag Walter Mompers und den Analysen des Experten für politische Kommunikation Jan Kellermann spielten die Teilnehmer/innen bei dieser Veranstaltung selbst eine ungewöhnlich wichtige Rolle. Günter König, Jupp Schröer, Hansjörg Ebert und andere erinnerten sich an Willy Kressmann und konnten Fragen aus eigenem Erleben beantworten. Günter König berichtete z.B., dass die Nachtdepesche der Tageszeitung »Telegraf« den Spitznamen »Texas Willy« geprägt hatte, den Kressmann selbst aber nicht mochte.
Die große öffentliche Wirkung erzielte Kressmann durch die optimale Nutzung aller öffentlichen Auftrittsmöglichkeiten.
Momper beschrieb den Kreuzberger Bürgermeister als den einzigen Berliner SPD-Politiker der 50er Jahre, der Willy Brandt das Wasser reichen konnte. Einig waren sich alle Gesprächsteilnehmer/innen, dass Kressmann für seinen öffentlichen Erfolg selbst verantwortlich war. Er war politisch erfolgreich, bürgernah und hatte das richtige Gespür für die Inszenierung öffentlicher Auftritte. Im Laufe der Jahre hat er vermutlich 40 000 Hände geschüttelt. Es wurde berichtet, dass schon Stunden vor einem öffentlichen Auftritt Kressmanns eine Kapelle spielte und jemand lautstark darüber informierte, dass bald der Bürgermeister sprechen würde. Die Menschen sammelten sich an dem Ort, so dass die gewünschte Aufmerksamkeit vorhanden war. Hinzu kam sein weißer Anzug, der zwischen vielen dunklen Anzügen stets herausragte.
Ein Teilnehmer aus Leipzig berichtete, dass Kressmann der einzige Lokalpolitiker aus West-Berlin war, den man sogar in Leipzig kannte im Gegensatz zu Otto Suhr.
Walter Momper beschrieb aber auch einen Eindruck, den viele teilten, als er anmerkte, Kressmann sei irgendwann seinem eigenen Mythos zum Opfer gefallen. Auch dies eine allgemein gültige Erkenntnis dieses Abends: Die Suche nach öffentlicher Wirkung darf sich nicht zur Sucht verselbständigen eine Gefahr, der Politiker ausgesetzt sind.
Sowohl die Teilnehmer als auch Kressmanns Tochter, die mit ihrer Mutter anwesend war, konnten sich der Person Willy Kressmann an diesem Abend nähern. Auseinandergegangen ist man mit dem Wunsch, dass eine fundierte Biographie über »Texas Willy« erarbeitet wird, solange die Zeitzeugen noch behilflich sein können.
Bericht: Reinhard Wenzel
Sa 1. September 2007, 1017 Uhr
Das Seminar ging der Frage nach, was auf kommunaler Ebene für eine erfolgreiche Integration getan werden kann und muss. Dabei wurden zwei Ebenen betrachtet: Zum einen die konzeptionelle Ebene; hier wurden sowohl das Integrationskonzept II des Berliner Senats als auch das Konzept des »Diversity Management« vorgestellt und kritisch auf ihre Tauglichkeit für die tägliche Integrationsarbeit in den Bezirken bzw. im Wohnquartier geprüft. Auf der anderen Seite wurden mit Best-Practice-Beispielen konkrete erfolgreiche Strategien aufgezeigt, so z.B. die Motivation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund zum ehrenamtlichen Engagement in ihrem Kiez oder die bewusste Auseinandersetzung mit eigenen Wertvorstellungen und denen der Eltern.
Deutlich wurde hierbei, dass für die meisten der Begriff der Integration nicht einfach eine Anpassungsleistung der Migrant/innen meint, sondern vielmehr nach den Anforderungen an die gesamte Gesellschaft gefragt wird, sich interkulturell zu öffnen und die bestehende Vielfalt als Ressource nutzbar zu machen. Hierbei wurden auch bestehende Probleme wie strukturelle Diskriminierung und Alltagsrassismus angesprochen. Als besonders wichtig wurden auch weitreichende Möglichkeiten zur gesellschaftlichen, auch politischen, Partizipation genannt. Diese sollte schon von Kindern und Jugendlichen eingeübt werden, z.B. durch mehr Mitbestimmungsrechte in der Schule. Auch das kommunale Wahlrecht für Nicht-EU-Ausländer wurde in diesem Zusammenhang thematisiert.
Einigkeit bestand darüber, dass Integration etwas ist, was von und in den Kiezen passiert und geleistet wird. Deswegen sollte es hier eine besondere politische Aufmerksamkeit geben. Mit dem Programm »Soziale Stadt« ist ein großer Schritt getan. Aber es kam die Frage auf, ob die Berliner Bezirke nicht dringend eigene Budgets für Integration bräuchten, die in Projekten an Schulen, in Bibliotheken und Volkshochschulen sowie in der Kulturarbeit eingesetzt werden könnten. Auch ist es an der Zeit, dass sich alle Berliner Bezirke mit eigenen Integrationskonzepten diesen Aufgaben stellen.
Bericht: Alexandra Kast
Fr 7. September 2007, 1719 Uhr
Sei es vom Vorbeifahren oder durch Wim Wenders Film »Der Himmel über Berlin«, den meisten Berlinern ist der riesenhafte graue Hochbunker in der Pallasstraße in Schöneberg zumindest vom Sehen her ein Begriff. Kaum einer jedoch weiß mehr um die Geschichte dieses Bauwerks, das wie ein Fremdkörper, scheinbar mitten aus dem angrenzenden Hochhausblock der 70er Jahre entspringend, ins Stadtbild hinein ragt. Schon gar die Existenz eines Zwangsarbeiterlagers in den Räumen der heutigen Sophie-Scholl-Oberschule ist heute weitgehend unbekannt.

Genau dies zu ändern, ist das Anliegen einiger engagierter Lehrer und Schüler der Sophie-Scholl-Oberschule, auf deren Gelände sich die Bunkeranlage befindet. In einer zweistündigen Führung durch das Schulgebäude und den Bunker brachte Studiendirektor Bodo Förster den ca. zwanzig Teilnehmern der vom August-Bebel-Institut organisierten Veranstaltung, die Arbeit seiner Schüler und die Geschichte des Baus nahe. Bereits seit 2000 widmet sich die Arbeitsgemeinschaft Geschichte/Kunst der Schule der Erforschung des Zwangsarbeiterlagers und der Gestaltung eines Gedenkortes für die dort zwischen 1943 und '45 internierten ukrainischen Zwangsarbeiter.
Von Förster erfuhren die Teilnehmer der Führung von den unmenschlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen der mitsamt ihren Frauen und Kindern deportierten Ukrainern, die im Auftrag der Firma Holzmann unter Lebensgefahr den Fernmeldebunker in der Pallasstraße errichten mussten.
Der abschließende Rundgang durch den ansonsten für die Öffentlichkeit unzugänglichen Bunker machte überdies deutlich, dass dessen Geschichte bis weit in unsere Tage hinein reicht: Noch Ende der 80er Jahre wurde der im Krieg unvollendet gebliebene Bunker zum ABC-Schutzbunker ausgebaut.

(Fotos: Bärbel Maessen)
Fr/Sa 7./8. September 2007
Bericht von Sandra Hellmann und Andreas Kubier
Politikkurs 13, Friedrich-Wilhelm-Gymnasium

Keine Chance für Antisemitismus!
»Antisemitismus ist das Gegenteil von Demokratie Eine historische Spurensuche in Berlin«: Unter diesem Thema stand ein Seminar des August Bebel Instituts, an dem Schüler des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums in Königs-Wusterhausen sowie der Goetheschule in Ilmenau teilnahmen.
Gemeinsam begannen wir das 5-tägige Seminar mit einer kritischen Auseinandersetzung mit antisemitischen Karikaturen. An den folgenden Tagen wurden dann historische Gedenkstädten wie das Haus der Wannseekonferenz, eine Ausstellung zum Widerstand in der NS-Zeit im Bendlerblock und das Holocaust-Mahnmal besichtigt.
Angeregt durch diese »historische Spurensuche« hatten die wir auch die Gelegenheit, den jüdischen Zeitzeugen Helmut Stern und Gabriele Fograscher, Bundestagsabgeordnete und Sprecherin des SPD-Arbeitskreises Rechtsextremismus, sowie dem Generalsekretär der SPD, Hubertus Heil, Fragen zum Antisemitismus und politisch aktuellen Themen zu stellen.
Besonderes Interesse weckte vor allem das Nachspielen einer Sitzung im Bundesrat, aber auch der Besuch des Bundestages mit der anschließenden Beobachtung einer Plenarsitzung.
Rückblickend kann man sagen, dass es ein gelungenes und lehrreiches Seminar war. Wir danken dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold und besonders Reinhard Wenzel, der uns unter anderem bei dieser Studienfahrt begleitet hat.