Eindrücke vom Festakt (Fotogalerie)

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60 Jahre August Bebel Institut

»Orientierung in der Informationsflut«

»In bleibendem Gedenken an den Vorkämpfer für Demokratie und Sozialismus, August Bebel« beschlossen am 25. März 1947 in Berlin auf Initiative von Erich Schmidt fünf sozialdemokratische Verlegerpersönlichkeiten die Errichtung einer Stiftung mit dem Namen »August-Bebel-Institut«.

Die Stiftung bezog eineVilla am Großen Wannsee, die heutige Gedenkstätte »Haus der Wannseekonferenz«. Eberhard Hesse, späterer Landesgeschäftsführer der Berliner SPD, organisiserte die Bildungsarbeit. 1951 musste das Haus aus Kostengründen aufgegeben werden, die Bildungsstätte war nach der Währungsreform vom Umland abgeschnürt.

In den fünfziger Jahren beschränkte sich das Angebot auf Abendkurse und die Vermittlung von Angeboten der Friedrich-Ebert-Stiftung. In den sechziger Jahren nahm das ABI Bildungsaufgaben für die SPD wahr,seit 1988 ist die Stiftung wieder gemeinnützig. Die Stabilisierung des ABI ist wesentlich dem damaligen Geschäftsführer Reinhard Gericke zu verdanken. (aus: »Berliner Stimme«)
 

Ingo Siebert im Interview der »Berliner Stimme«, 17. Nov. 2007

In diesem Monat feiert das August-Bebel-Institut sein sechzigjähriges Bestehen. Mit ABI-Geschäftsführer Ingo Siebert sprach die »Berliner Stimme« über Vergangenheit und Zukunft der Bildungseinrichtung, das künftige Programm und die Notwendigkeit von politischer Bildung.

Berliner Stimme: Das August-Bebel-Institut feiert seinen 60. Geburtstag. »Wissen ist Macht« hieß es bei der Gründung 1947. Hat dieser Slogan noch eine Bedeutung für die Arbeit oder wissen wir nicht heute schon alle mehr als genug, wenn wir der Flut der Medien ausgesetzt sind?

Ingo Siebert: Gerade weil wir einer Flut von Informationen ausgesetzt sind, ist politische Bildung eine sehr gute Möglichkeit sich Orientierung zu verschaffen. Wir haben Veranstaltungen für politisch Aktive z.B. Kommunalpolitiker/innen und junge Leute, aber auch für, so nennen wir das, die interessierte Zeitungsleserin oder den interessierten Zeitungsleser. Dabei gibt es meist keine einfachen Lösungen für komplexe politische Zusammenhänge anzubieten, deshalb ist uns in unseren Veranstaltungen der Dialog von verschiedenen Standpunkten ein großes Anliegen.

1947 ging es um Erziehung zur Demokratie, es gab Seminare zur Kommunalpolitik, zum Verständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge, zur Geschichte der Arbeiterbewegung. Das klingt so, als könnte man manches heute auch noch anbieten. Was macht das August-Bebel-Institut heute genauso, was anders?

Ja, wir bleiben in der Tradition der Schwerpunkte und haben gleichzeitig unsere Programm den aktuellen Entwicklungen und Bedürfnissen angepasst. Natürlich geht es jetzt nicht mehr um »Erziehung zur Demokratie«. Vielmehr wollen jetzt Schülervertreter/innen wissen, wie sie am besten ihre Interessen in der Schule vertreten können oder Leute, die sich gegen Rechtsextremismus wehren wollen, fragen nach kommunalen Strategien für Demokratie und Toleranz.

Wir haben zwei Schwerpunkte mit den letzten Programmen weiterentwickelt: Mit unseren stadt- und kommunalpolitischen Veranstaltungen wollen wir politisch Aktive und Interessierte über die aktuellen Veränderungsprozesse in der Stadt informieren und ins Gespräch bringen. Hier geht es um Zuwanderung, soziale Stadtentwicklung, die Arbeit der Jobcenter oder die Partizipation von Kinder- und Jugendlichen, um nur einige Themen zu nennen. In diesem Bereich wollen wir einerseits Themen setzen, deshalb sind auch Gespräche mit politisch Verantwortlichen hier sehr wichtig, und andererseits auch politisches Handwerkzeug vermitteln.

In einem weiteren Kernbereich des ABI, den zeitgeschichtlichen Veranstaltungen, gehen wir häufig in die Stadtteile, um Geschichte begreifbar zu machen oder beziehen uns auf wichtige Jahrestage der Berliner Geschichte, der Arbeiterbewegung und sozialen Bewegungen oder des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus.

Sie sind seit rund einem Jahr Geschäftsführer des ABI. Wie fällt die erste Bilanz aus, was waren die Tops und Flops des zurückliegenden Programms?

Wir haben im letzten Jahr großen Wert auf Veranstaltungen zum Thema »Migration und Interkultur« gelegt und hier viele sehr erfolgreiche Veranstaltungen durchgeführt. Ein Highlight war sicher unser Workshop »Künste und Kulturpolitik in der Einwanderungsstadt Berlin«, den wir in Kooperation u.a. mit der Werkstatt der Kulturen durchgeführt haben. Hier haben Kunstproduzent/innen und Kulturpolitiker/innen unterschiedlicher Herkunft einen sehr interessanten Dialog begonnen. Wichtig war, die Ergebnisse mit Kulturstaatsekretär André Schmitz zu diskutieren.

Es ist immer schwierig, ein passendes Angebot für Bezirksverordnete zu entwickeln. Umso mehr freut es mich, dass wir gerade diese Zielgruppe mit unseren Angeboten zur Haushaltspolitik, zum Jobcenter und zur sozialen Stadtentwicklung erreichen konnten, die hier spannende Gespräche mit anderen politisch Aktiven führen konnten. Bei der Veranstaltung zu »Toleranz im Stadion«, wo es um Rassismus im Amateurfußball ging, hätte ich mir allerdings mehr Interesse gewünscht. Top waren auch die sehr gut besuchten Veranstaltungen zur Geschichte des Kreuzbergers Bürgermeisters Kressmann, wo viele Zeitzeugen gekommen sind.

Welche Schwerpunkte werden im kommenden Frühjahrsprogramm gesetzt?

Ein Schwerpunkt wird das Thema Migration und Interkultur bleiben, da die Gestaltung der Einwanderungsstadt Berlin einer der wichtigen Herausforderungen ist und der Anteil von Berliner/innen mit Migrationserfahrung ständig zunimmt. »Vielfalt« ist hier ein wichtiges Stichwort und das muss in allen Politikfeldern mit Leben gefüllt werden. Auch bei den zeitgeschichtlichen Veranstaltungen soll das eine verstärkte Rolle spielen, da es ja eine lange Geschichte der Migration nach Berlin gibt. Gleichzeitig wollen wir uns bei den aktuellen Themen stärker mit der Situation in der Türkei auseinandersetzen.

In der Arbeitsmarktpolitik wollen wir uns, um nur einen weiteren Schwerpunkt zu nennen, mit dem öffentlichen Beschäftigungssektor auseinandersetzen, da es dort ein Menge Fragezeichen für die politisch Aktiven in den Bezirken gibt. Und natürlich werden wir weiterhin Aktive, die sich gegen Rechtsextremismus wehren und für Demokratie und Toleranz eintreten, mit Veranstaltungen unterstützen. Im Januar kommt unser neues Programm.

Das August-Bebel-Institut finanziert sich zum Teil auch über Spenden. Wer sind die Spender und welche Erwartungen haben sie an das ABI?

Unsere Fördererinnen und Förderer finanzieren einen wichtigen Teil unsere Arbeit und ohne diese finanzielle Unterstützung wären viele Veranstaltungen nicht möglich. Es gibt zwei große Gruppen: Einerseits aktuelle Mandatsträger/innen, also Abgeordnete, Bezirksbürgermeister/innen und Stadträte und andererseits viele ehemalige Mandatsträger/innen, die unsere Arbeit fördern. Ihre Erwartung ist, dass wir mit dem Geld politische Bildung machen. Einmal im Jahr auf einer Fördererversammlung informieren wir unsere Unterstützer/innen und häufig gibt es auch Anregungen zur Programmgestaltung.

Was wünschen Sie dem ABI zum 60. Geburtstag?

Natürlich weiterhin eine finanzielle Sicherheit und Kontinuität.

Und: Wir haben in den letzten anderthalb Jahren viele neue Interessenten und Kooperationspartner/innen gewonnen. Unser Wunsch ist, dass diese Entwicklung so weiter geht.

Wir möchten im nächsten Jahr einige interessante Projekte umsetzen und hoffen, dass wir sie finanzieren können. So wollen wir ein Ausstellungs- und Internetprojekt zu streitbaren Berliner Persönlichkeiten verschiedener Epochen aus der SPD und den sozialen Bewegungen, die sich für Emanzipation und Fortschritt in der Stadt eingesetzt haben, initiieren.

Interview: Ulrich Horb
 

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