August Bebel (1840–1913)

Weitere Informationen über August Bebel im Internet:

http://de.wikipedia.org/
wiki/August_Bebel

http://www.dhm.de/lemo/
html/biografien/BebelAugust

Berichte aus den Veranstaltungen zu August Bebel


August Bebel gilt als einer der Begründer der Sozialdemokratie. Wie kein anderer prägte er seit der Gründung der Eisenacher Partei 1869 bis zu seinem Tod 1913 die Sozialdemokratie. »Die Partei August Bebels« war die Massenpartei der ausgebeuteten und politisch ausgegrenzten Arbeiterschaft im Deutschen Kaiserreich. Sie vereinte viele sozialistische Strömungen von Rosa Luxemburgs Marxismus bis Eduard Bernsteins Revisionismus. Erst nach Bebels Tod spalteten sich die Kommunisten 1918/19 ab.

Bebel bleibt eine wichtige historische Persönlichkeit, die aber heute nur selten wirklich thematisiert und hinterfragt wird. Die kleine Vortrags- und Diskussionsreihe sollte diesen Ahnherrn der Sozialdemokratie und Namensgeber des Instituts daher einmal »entstauben« und herausfinden, was er uns heute noch zu sagen hätte.


Das verbotene Buch
August Bebels »Die Frau und der Sozialismus«

Di. 6. März 2007

Bebels Klassiker ist längst nicht mehr der Stand von Wissenschaft und Diskussion. Seine Bedeutung für die Frauenbewegung und den Kampf um die Gleichstellung der Frau darf aber nicht unterschätzt werden. Dies berichtete die Frauenhistorikerin Claudia von Gelieu(1) von einem Buch, das zu Bebels Lebzeiten in 34 Jahren 54 Auflagen erlebte. Im übrigen habe das Buch zwei Themen: Der erste Teil befasst sich mit der Frau, der zweite mit dem Sozialismus. Mit der Feststellung, die Stellung der Frau in der Gesellschaft sei nicht naturgegeben, war Bebel vielen Männern auch in der Arbeiterbewegung um einiges voraus. Erkenntnis: Veränderung ist möglich.

Dass sich einiges verändert hat in den letzten hundert Jahren, ist offensichtlich. Frauen haben das Wahlrecht bekommen, wir haben eine Frau als Bundeskanzlerin – zu Bebels Zeiten undenkbar. Deshalb würde die Berliner Juso-Vorsitzende Franziska Drohsel (2) statt von Unterdrückung heute auch von struktureller Diskriminierung sprechen.

Noch immer sind Frauen in den Chefetagen von Politik und Wirtschaft unterrepräsentiert. Deshalb bleibt die Quote weiter aktuell. In Kitas und Grundschulen aber sind die Männer noch zu wenig vertreten. Die Emanzipation der Männer ist ein Thema, das wohl überwiegend in der Zukunft verhandelt wird.

Barbara Honigmann

Anmerkungen: (1) Claudia von Gelieu: www.frauentouren.de, (2) Franziska Drohsel: www.jusos-berlin.de

 
Bebel und die Programmdebatte

Do. 26. April 2007, 18-20 Uhr

Einige große deutsche Parteien befinden sich 2007 in Debatten über ihre Programmatik. Wir fragten, was Bebel den Parteien und insbesondere seinen Sozialdemokraten zu sagen hätte oder noch zu sagen hat. Der Berliner Historiker Siegfried Heimann berichtete von Richtungsauseinandersetzungen wie dem Revisionismusstreit um 1900.

Die von einem Teilnehmer aufgeworfene Frage, ob die SPD heute wieder von Marx' Leitgedanken einer revolutionären Abschaffung der Klassengesellschaft zu Lassalle schwenke, konnte mit Blick auf die Lassallesche Theorie verworfen werden. Die von Lassalle favorisierten Produktivgenossenschaften mit Staatskredit, das »eherne Lohngesetz« usw. spielen heute nicht einmal im übertragenen Sinne mehr eine Rolle in der politischen Diskussion.

Zur aktiven Zeit Bebels gab sich die Sozialdemokratie drei Parteiprogramme: Das Eisenacher Programm der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei von 1869 wurde von Bebel und Wilhelm Liebknecht als Konkurrenz zum Programm der Lassalleaner verfasst. Bei genauerem Hinsehen hält es sich aber doch mehr an die Vorstellungen Lassalles als an die Theorien von Marx.

Das Gothaer Programm, mit dem die Vereinigung der beiden sozialdemokratischen Richtungen 1875 besiegelt wurde, war eine letzte Manifestation Lassalleschen Denkens. Aufgrund einer Haftstrafe konnte Bebel an dem Text nicht mitwirken; die heftige Kritik von Marx aus London machte sich Bebel aber nicht zu eigen. Die Tagespolitik war für Bebel allemal wichtiger, als der nachträgliche Streit um Programme.

Eine lange Zeit prägend für die SPD wurde das Erfurter Programm von 1891. Kurz nach Ende des Sozialistengesetzes war dieses Programm ganz im Geist des Marxismus gehalten. Doch hier zeigten sich schon erste Differenzen zwischen dem grundsätzlichen Teil, der von dem Marxisten Karl Kautsky verfasst war und den aktuellen politischen Forderungen, entworfen vom späteren Begründer des »Revisionismus« Eduard Bernstein.

Die SPD des Kaiserreichs vereinte viele politische Strömungen; sie alle wurden durch die Integrationsfigur August Bebel, den sogenannten Gegenkaiser, zusammengehalten.

Reinhard Wenzel

 
»Revolution oder Tarifvertrag«? – Bebel und die Gewerkschaften

Sa. 26. Mai 2007

Die Veranstaltung zum Verhältnis Bebels zu den Gewerkschaften fand in Pichelssee im Bildungszentrum der IG BAU statt.

Der Politologe Reinhard Wenzel berichtete über das Verhältnis von Parteien und Gewerkschaften in der Frühzeit der Arbeiterbewegung seit den 1860er Jahren. Die von Lassalle 1863 gegründete Sozialdemokratie lehnte aufgrund des »ehernen Lohngesetzes« Streiks und Gewerkschaften grundsätzlich ab. Dieses von Lassalle begründete Gesetz besagte, dass bei Lohnerhöhungen über das Existenzminimum hinaus sich die Zahl der Arbeiterkinder erhöhen würde, wodurch das Angebot von Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt steige und damit die Löhne langfristig automatisch wieder auf das Existenzminimum fallen lasse.

Für August Bebel machte die Existenz von Gewerkschaften neben der Arbeiterpartei von Beginn an Sinn. Mit der Eisenacher Partei wurden 1869 die ihr nahestehenden »Internationalen Gewerksgenossenschaften« gegründet. Die Gewerkschaften blieben in Deutschland zunächst schwach, mit dem Sozialistengesetz wurden auch sie 1878 verboten. Nach dem Ende des Sozialistengesetzes 1890 organisierten die nun von einer Generalkommission unter Carl Legien geführten Gewerkschaften eine Millionen zählende Mitgliedschaft. Der steigende Einfluss der Gewerkschaften gegenüber der SPD stärkte das Selbstbewusstsein ihrer Funktionäre.

In den Auseinandersetzungen zwischen Marxisten und Revisionisten fanden die Gewerkschafter ihre »natürliche« Heimat bei den Pragmatikern. Das unterschied sie von dem (wenn auch nicht so radikalen) Marxisten Bebel.

Unter diesen Voraussetzungen kam es 1905/06 zur Massenstreikdebatte und zum Mannheimer Abkommen. SPD-Linke wie Rosa Luxemburg hatten gefordert, in einer revolutionären Situation müssten die Gewerkschaften zum politischen Massenstreik aufrufen, wenn die SPD-Führung dies beschließe. Die Gewerkschaften wollten sich aber weder von der SPD vereinnahmen, noch auf die Revolution festlegen lassen. So wurde vom Mannheimer Parteitag 1906 beschlossen, dass entsprechende Beschlüsse nicht ohne das Einvernehmen zwischen Parteivorstand und Generalkommission gefasst werden durften. Damit waren die Gewerkschaften nicht mehr der SPD untergeordnet, sondern ein gleichberechtigter Partner.

Das Mannheimer Abkommen war ein Werk August Bebels, der mit seiner persönlichen Autorität einmal mehr die verschiedenen Flügel der SPD auf einen Nenner brachte.

Reinhard Wenzel


Bebel – Ahnherr von zwei Parteien

Do. 21. Juni 2007

Die SPD wurde in den ersten 50 Jahren ihrer Existenz bis zu seinem Tod 1913 wesentlich von August Bebel geprägt. Es war die Epoche, in der diese Partei alle sozialistischen Strömungen der Arbeiterbewegung integrierte. Kurz nach Bebels Tod spaltete sich die Arbeiterbewegung. Sozialdemokraten und Kommunisten hatten nach dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 bis in unsere Tage ein schwieriges, oft feindseliges Verhältnis zueinander.

Heute spielen zwei Parteien in der deutschen Politik eine Rolle, die aus der Partei Bebels hervorgegangen sind: SPD und »Die Linke«.

Die SPD stellt die Partei Bebels in organisatorischer Kontinuität dar, hat sich allerdings seitdem stark gewandelt – wie ihre Umwelt auch. Die Änderung des Selbstverständnisses von der Arbeiterpartei zur Volkspartei mit dem Godesberger Programm 1959 und die Agenda 2010 der Regierung Schröder lassen viele daran zweifeln, ob die SPD von heute noch etwas mit der Partei Bebels zu tun hat.

»Die Linke« besteht mehrheitlich aus Mitgliedern der PDS, der 1989/90 umbenannten SED. Die SED, Staatspartei der DDR, wurde 1946 in der Sowjetischen Besatzungszone durch eine Vereinigung von SPD und KPD gebildet, von den meisten SPD-Mitgliedern als Zwangsvereinigung wahrgenommen.

Für die deutschen Kommunisten ist Bebel bis heute ein wichtiger und unbestrittener Teil ihres Traditionsbestands. Er war Marxist, nicht verantwortlich für die Zustimmung der SPD zu den Kriegskrediten 1914, da er 1913 verstarb, und musste sich aus selbigem Grund auch zur Spaltung der Arbeiterbewegung 1918 nicht verhalten. In Kreisen von Linke und DKP wird Bebel regelmäßig benutzt, um die »wahre« Tradition des Sozialismus von der heutigen SPD abzugrenzen und für sich zu beanspruchen.

Die SPD hat einen anderen Zugang zu Bebel. Seine pragmatische Sicht auf parlamentarische Politik, seine Fähigkeit, sich auf Veränderungen einzustellen und auch seine ausgesproche nicht-pazifistische Haltung (»Flintenrede«) lassen einen Bebel erkennen, der in die heutige SPD passen könnte.

Das Erbe Bebels ist für die SPD vor allem ein emotionales Gut: Oft ist von Bebels Uhr die Rede, die angeblich früher von Vorsitzendem zu Vorsitzendem der SPD weitergegeben wurde. Regelmäßig wurden von wichtigen SPD-Politikern wie Willy Brandt, Johannes Rau und anderen Gedenkreden anlässlich des Geburts- oder Todestages von Bebel gehalten. Und nicht zuletzt: der einzige Bundeskanzler, der ein Porträt August Bebels hinter seinem Schreibtisch hängen hatte, war Helmut Schmidt.

Reinhard Wenzel