19.6.2009: Auftakt in Istanbul NGOs aus Berlin luden zum Dialog ein. Fotos und Berichte
»Zivilgesellschaft(en) in Berlin und Istanbul« Konferenz im Oktober 2009 in Berlin
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Rund 80 interessierte Besucher/innen kamen zum Auftakt in die Alte Tabakbörse, ein Projekte- und Kulturzentrum im Istanbuler Hafenviertel Karaköy. Rechts: Ingo Siebert vom August Bebel Institut und Çağla İlk vom Forum Berlin Istanbul begrüßten die Gäste und führten ins Thema »Zivilgesellschaft in Berlin« ein.
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Links: Tanja Berger (Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung) und Kadriye Karcı (Rosa-Luxemburg-Stiftung) stellten Frauenprojekte aus Berlin vor. Rechts: Thomas Knorr-Siedow und Cağla İlk (beide Forum Berlin Istanbul) berichteten aus den Erfahrungen sozialer Bewegungen im Bereich der Stadterneuerung. Links im Hintergrund: Moderatorin Ciğdem Akkaya.
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Links: Tillmann Heuser und Gülcan Nitsch vom BUND für Umwelt und Naturschutz präsentierten die Arbeitsfelder von Berliner Umwelt-NGOs. Rechts: Mehmet Alpek vom Türkischen Bund Berlin-Brandenburg über die Geschichte migrantischer Selbstorganisation und ihre Bedeutung für die Zivilgesellschaft.
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Links: Ferda Sönmez und Gabriele Gün Tank (Migrationsausschuss der
IG Metall BerlinBrandenburgSachsen) sprachen über die Bedeutung der Gewerkschaften als Teil der Zivilgesellschaft und die Rolle migrantischer Gewerkschaftsmitglieder bei Arbeitskämpfen in transnationalen Konzernen.
Fotos: Isa Arslan, August Bebel Institut
Es war eine Premiere in der städtepartnerschaftlichen Beziehung zwischen Berlin und Istanbul: »Wir wollen das breite und vielfältige zivilgesellschaftliche Engagement in beiden Städten präsentieren und nachhaltig vernetzen«, beschreibt Çağla İlk vom Forum Berlin Istanbul das Ziel der Reise von Vertreter/innen zivilgesellschaftlicher Organisationen, die vom August Bebel Institut koordiniert wurde. Die Reise fand zeitgleich zum Besuch des Regierenden Bürgermeisters nach Istanbul aus Anlass des 20-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft statt.
Für den 19. Juni 2009 hatte die Berliner NGOs eine Präsentation vorbereitet und zum Kennenlernen und Dialog eingeladen. Rund 80 interessierte Aktivist/innen aus unterschiedlichen Initiativen Istanbuls kamen in die Alte Tabakbörse, ein Projekt- und Kulturzentrum im Istanbuler Hafenviertel Karaköy. Die Berliner Gäste berichteten in Vorträgen und Gesprächen aus der Geschichte und den Erfahrungen der sozialen und Bürgerbewegungen in Berlin. Im Fokus standen die Themen Stadtentwicklung, Umweltpolitik, Frauen / Gender, Migration und Gewerkschaften in Berlin.
Recht auf Stadt
Thomas Knorr-Siedow und Cağla İlk (beide Forum Berlin Istanbul) berichteten aus den Erfahrungen sozialer Bewegungen im Bereich der Stadterneuerung und tauschten sich mit Aktivisten/innen der Sulukule Plattform, Tarlabasi Initiative, Gülsuyu Gülensu Initiative und Basibüyük Initiative aus. In Istanbul sind zahlreiche Stadtteile von großen Umstrukturierungsmaßnahmen betroffen, die in einer Verdrängung von einkommensschwachen Bevölkerungsgruppen mündet. Hier sind internationale Kontakte und Solidarität besonders wichtig. Für die Zukunft wird ein stetiger Erfahrungsaustausch von Bürger/innen- Initiativen beider Städte anvisiert.
Erfahrungsaustausch der Umweltbewegung
Tillmann Heuser und Gülcan Nitsch vom BUND für Umwelt und Naturschutz Berlin führten mit Aktivist/innen von Greenpeace Türkei, Buğday und Doğa Derneği erste Gespräche über eine Zusammenarbeit und Erfahrungsaustausch zu Umwelt-, Naturschutz und Energiepolitik in beiden Städten. Interessiert zeigten sich auch Istanbuler/innen, die in Berlin gelebt hatten, an einem Austausch von Referent/innen und der gemeinsamen Nutzung von Informationsmaterialien z.B. zu den Themen Chemikalien im Haushalt und kommunale Energiepolitik.
Frauenpolitische Zusammenarbeit
Bestehende frauenpolitische Kontakte konnten erweitert werden. Tanja Berger (Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung) und Kadriye Karcı (Rosa-Luxemburg-Stiftung) konnten bereits bestehende frauenpolitische Kontakte nach Istanbul durch die Gespräche vor Ort erweitern und neue Ansprechpartnerinnen hinzugewinnen. Für Konferenz im Herbst in Berlin wurden erste Vereinbarungen getroffen. Außerdem wurde vereinbart, eine künftige Zusammenarbeit zwischen dem NGO Training and Research Center der Istanbuler Bilgi Universität und dem Berliner Frauengesundheitszentrum zu unterstützen.
Gemeinsame gewerkschaftliche Kämpfe
Zielorientiert waren die Gespräche auch zwischen den Kolleg/innen von Birlesik Metal und Berliner IG Metaller/innen. Ferda Sönmez und Gabriele Gün Tank (Migrationsausschuss der IG Metall BerlinBrandenburgSachsen) sprachen mit ihren Kollegen über das Ziel eines kontinuierlichen Austauschs, um von ad-hoc-Solidaritätsaktionen hin zu stabilen betrieblichen Netzwerken in beiden Städten zu kommen. Dabei geht es den Beteiligten auf beiden Seiten darum, voneinander zu lernen und zugleich auch die Unterschiedlichkeit der Arbeitsbedingungen besser kennenzulernen: Während etwa in Berlin das Streikrecht eine Selbstverständlichkeit ist, sind Beschäftige in Istanbul zu wilden Streiks gezwungen, da es fast keine rechtlichen Grundlagen für gewerkschaftliche Aktionen in den Betrieben gibt.
Zusammengefasst hat die Reise der Berliner NGO-VertretrInnen durch eine Reihe von Gesprächen, Begegnungen und Besuche bei Initiativen, in Institutionen und Medienredaktionen dazu beigetragen, das Interesse der zivilgesellschaftlich Aktiven beider Städte füreinander zu befördern, bestehende Kontakte zu pflegen, Neugier zu wecken und wichtige, aktuelle Informationen auszutauschen und somit die Grundlagen für einen kontinuierlicheren, produktiven Austausch zu erweitern.
Ingo Siebert
Lesen Sie auch den Bericht in der »Berliner Stimme«, Juli 2009